Shanghais Teemesse

16 Jun 2013 | Comments | von Raphael Henkes

  • Aussteller: 500
  • Besucher: 100.000
  • Liter versoffener Tee: keine Angaben
  • Bekloppte Belgier: 1 (mindestens)

Dranbleiben lohnt sich...diesmal wirklich, denn es gibt massig Bilder, die über den mageren Inhalt und die lahmen Witze hinwegtrösten.

 

Alle Jahre wieder

In China hat jede Stadt die ihren Namen wert ist eine eigene jährliche Tee Expo, oder sogar mehrere davon. Dort präsentiert sich das Who is Who der Teeindustrie einem gemischten Publikum aus Professionellen und Teeliebhabern. Es gibt Debatten, Vorträge, Preisverleihungen und natürlich Tee in allen Farben und Variationen.

 

Ich liebe Chinas Tee Events und versuche mich dort so oft wie möglich blicken zu lassen. Klar, auch hier dreschen schlechte Verkäufer leere Phrasen und man ist vor der arroganten und bevormundenden Rhetorik selbsternanter Tee-Veteranen nicht sicher. Doch die Freude darüber, sich mit alteingesessenen Tee-Enthusiasten und passionierten Geschäftsleuten über das Gestern, Heute und Morgen Chinas bunter Teewelt austauschen zu können überwiegt jedes Mal. Und mal ehrlich, wie oft hat man schon die Gelegenheit, an einem einzigen Ort Tee in in einer solchen Auswahl zu verkosten?

 

Der exotische Charme Yunnans ethnischer Minderheiten ist Teil des Marketing Konzeptes vieler Puerh Hersteller

Die gröβte Teemesse in der gröβten Stadt der gröβten Teenation

Klingt nach einem Event der Superlative? Bedingt.

Selbst auf einer Teemesse in Chinas mit  Abstand kosmopolitischsten Stadt kann man das international in "Shanghai international tea fair" nicht allzu wörtlich nehmen. Neben einer handvoll ostasiatischer Unternehmen, wie üblich vor allem im Bereich des Tee Zubehörs, gibt es noch ein paar Betriebe aus Indien und Sri Lanka, die neben all den chinesischen Nachbarn ein bisschen verloren aussehen, und das war's. Auch ausländische Besucher gibt es kaum, nicht unbedingt verwunderlich bei der Abwesenheit von englischsprachigem Personal.

Auch wer nach Innovationen und neuartigen Teespezialitäten sucht, wird in Shanghai enttäuscht. Von einigen Ausnahmen abgesehen, findet sich hier fast ausschlieβlich die alt etablierte Prominenz. Was mich persönlich am meisten überrascht hat, ist die Dominanz von Pu Erh Tee dieses Jahr. Geschätzte 80% der Aussteller verkaufen ausschlieβlich diesen postfermentieten Tee aus Chinas Südwesten. Vor allem die Frühlingsernte aus den Bergen des tropischen Xishuangbannas (an der Grenze zu Laos und Birma) ist sehr gefragt und die neuen Puerhs gehören zu den Besten, die ich bisher probieren konnte. Wenn auch dieses Jahr auf der Tee Expo nicht viel Neues los ist, ist es dennoch sehr nett, dass man sich auch in diesem Jahr auf die Klassiker verlassen kann.  

Mal was anderes? Pu Erh in Schokoladentafel Form 

Beim Begutachten der\s Blattguts eines Sheng Puerh aus der 2013 Frühlingsernte

Ein Aussteller demonstriert die traditionelle Pu Erh Herstellung

Der Einzelhandel ist auf der Teemesse gestattet 
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